Mahlzeit

Schlemmwerk in Essen: Entenkeule ohne Gewürzkeule

Hübsch angerichtet, wie hier das Dessert, war jeder Gang im Schlemmwerk in Essen.

Hübsch angerichtet, wie hier das Dessert, war jeder Gang im Schlemmwerk in Essen.

Foto: Maren Schürmann

Essen.  Im Vorbeifahren habe ich dieses Restaurant entdeckt – und es ist wirklich eine Entdeckung! Unser neuer Restauranttipp: das Schlemmwerk in Essen.

Obwohl mich der Name zunächst abgeschreckt hat: „Schlemmwerk“. Geschlemmt wird ja in vielen deutschen Imbissbuden und „Werk“ scheint sich gefühlt jedes zweite neue Lokal zu nennen, das dann entweder Döner oder Burger verkauft. Aber vergessen Sie am besten sofort alle Bilder, die nun in Ihrem Kopf aufgetaucht sind. Denn dieses Schlemmwerk in Essen-Frintrop ist erfreulicherweise weit entfernt von einer einfallslosen Küche.

Wenn es hier Fritten gibt, dann aus Karotten und Pastinaken zu Hirschfilet und Trüffelmayonnaise (14 €). Und das wird gerade mal als „Was Kleines für zwischendurch“ angepriesen. Wir fangen mit der Vorspeise an – und haben die Qual der Wahl zwischen Klassikern wie „Kross gebratene Blutwurst auf buntem Kartoffelsalat“ (12 €) oder Ausgefallenem wie Krustentiereintopf (9,50 €) oder Entenleberparfait mit Quitte (9 €). Wir bestellen Samosas (8,50 €). Die mit Gemüse gefüllten indischen Teigtäschchen sind gut gewürzt und knusprig gebacken. Sie werden zu einem Salat serviert aus Roter Bete und Kichererbsen, die in Joghurt mit einem feinen Limetten-Aroma getaucht sind. Wunderbar!

Es ist ein Genuss

Meine Begleitung bestellt als Hauptgang die geröstete Entenkeule auf Mie-Nudeln in rotem Thai-Gemüse-Curry (20 €). Ich darf probieren: Das Fleisch ist schön zart, lediglich die Haut hätte knuspriger sein können. Das Curry gefällt auch. Kaffirlimettenblätter lassen eine leicht zitronige Note anklingen. Der Koch versteht es, die Zutaten so miteinander zu verschmelzen, dass kein Geschmack den anderen überdeckt. Er benutzt nicht die Gewürzkeule, er unterstreicht hier, hebt dort hervor. Kurzum: Es ist ein Genuss.

So auch das Seehechtfilet (24 €), das im „Nobu Style“ komponiert ist. Damit wird auf den Starkoch Nobuyuki „Nobu“ Matsuhisa angespielt, der die japanische und die westliche Küche fusioniert hat. Auch hier wird Bodenständiges – Fisch auf Kartoffelpüree – mit Sprossen, schwarzem Sesam und einem Hauch Soja neu interpretiert.

Das Dessert (7,50 €) – Salat von frischen Blutorangen, Ananas und Brombeeren mit gerösteten Mandeln und Salzkaramelleis – ist ebenfalls gelungen. Nur im Vergleich zu den anderen Speisen nicht ganz so ausgeklügelt.

Übrigens: Am 14. Februar gibt es mal kein Gericht von der Karte, sondern für alle Gäste vier Gänge: Das Schlemmwerk bittet zum Valentinstags-Menü für Verliebte (Tafelspitz, Tom Kha Ghai, Barbarie Entenbrust und Schoko-Karamell-Tarte, 49 €, inklusive Aperitif. Bitte reservieren).

Schlemmwerk, Frintroper Str. 414, Essen, So. Ruhetag, Tel. 0201/ 54 54 66 38, schlemmwerk.com

Küche: Multikulti-Küche vom Feinsten. Da finden sich deutsche Klassiker genauso wieder wie asiatische Einflüsse. Unkompliziert und doch so raffiniert.

Ambiente: Die Lage an der befahrenen Straße und neben Supermärkten ist nicht idyllisch. Aber die Einrichtung ist modern und sehr geschmackvoll.

Service: Der Service könnte etwas schneller sein. Ansonsten blieben keine Wünsche offen. Es gibt Parkplätze hinter dem Haus und Gäste-WLAN.

Preise: Kleine Karte, die wechselt. Hauptgänge: 14,50 bis 28 €. Auch Gerichte für die Mittagspause: Leberkäse (10 €) oder Hirschfilet (14 €).

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