Intimes Interview

Silbermond-Sängerin: Wir waren jung und hatten keine Ahnung

Sängerin Stefanie Kloß von Silbermond verrät viel Privates im Interview.

Sängerin Stefanie Kloß von Silbermond verrät viel Privates im Interview.

Foto: Hendrik Schmidt / dpa

Nach der Babypause schoss Silbermond mit neuem Album sofort auf die Eins und sind nun mit Nachwuchs auf Tour. Sängerin Stefanie Kloß ganz privat.

Frau Kloß, Sie sind seit 2018 Mama. Wie hat Sie das verändert?

Stefanie Kloß (35): Dieses kleine Wesen hat emotional etwas bei mir geöffnet, was es vorher nicht gab. Ich habe mich in einigen Momenten noch nie so schwach und hilflos gefühlt, auf der anderen Seite auch noch nie so stark. Ich schaffe mehr, als ich denke und halte mehr aus. Doch dann bin ich auch wahnsinnig zerbrechlich und verletzlich, weil der Kleine nun in meinem Leben ist.

Der Sohnemann kommt mit auf Tour. Nervöser als sonst?

Nein. Er war schon bei einigen Warm-Up-Gigs und Presseterminen dabei. Wenn man das machen will, ist es eine Frage der Organisation. Das kennen aber viele Familien, in denen beide einen Job haben, den sie mögen. Wir haben natürlich auch Hilfe dabei. Das wurschtelt sich schon zurecht. Ich versuche da, gelassen zu sein.

Sind Sie durch das Eltern sein konservativer geworden?

Als Mama habe ich eine neue Einstellung zu Themen wie Umwelt. Vor zwei Jahren hatte ich genug mit mir selber zu tun, da sah ich keine Umweltverschmutzung wie eine blutende Wunde an. Durch den Kleinen spüre ich eine größere Verantwortung.

„Ich wünsche keinem, so früh einen Elternteil zu verlieren“

Eine Hauptrolle auf dem neuen Album spielt Ihr Vater. Er starb, als Sie 18 waren. In dem Song „In meiner Erinnerung“ stellen Sie Fragen an ihn: „Was würdest du sagen, könntest du mich seh’n? Sag mir, kannst du mich seh’n?“

Es schmerzt, dass er mein Leben nicht erleben kann und auch das meiner Schwester nicht. Und es fehlt, alle diese aufregenden und schönen Dinge des Lebens nicht mit ihm teilen zu können… mein Kind, die Musik. Ich wünsche keinem, so früh einen Elternteil zu verlieren.

Sie sagten mal, Ihr Vater war wie Sie. Warum?

Mein Vater war ein Macher-Typ. Er hat Leute zusammengebracht, war nie um einen Spruch verlegen. Auf dem Kloßschen Hof war immer was los. Ich glaube, in uns allen stecken auch unsere Eltern, logischerweise.

Politisch beziehen Sie klar Stellung, wie im Song „Mein Osten“, der aber nicht auf die Platte kam.

Diese Nummer war ein Einzelprojekt und kam bewusst nicht auf das Album drauf, das war von vornherein so beabsichtigt. Das Lied ist der Situation in unserer Heimat geschuldet und wir hatten das Gefühl, dass wir da musikalisch unsere Haltung klar machen wollten. Rückblickend sind wir wahnsinnig froh, dass wir das gemacht haben.

In „Träum ja nur“ geht’s um Hippies. Wie viel Hippie steckt in Ihnen?

Wenn man ein Hippie ist, nur weil man klar seine Meinung äußert, dann gehören wir dazu (lacht). Vielleicht gibt es bei den Leuten einen Overload und viele wünschen sich Friede, Freude, Eierkuchen, bisschen Pause und Konfetti-Regen, aber wir dachten, dass jetzt die richtige Zeit ist für das Thema.

„Für mich war es auch eine harte Zeit, Teenager zu sein“

Silbermond früher und jetzt?

Bei der ersten Platte sind wir ins Studio reingestolpert, waren 19 und hatten keine Ahnung von nichts. Wir sind jetzt ganz anders aufgestellt mit unserem Wissen und setzen viele Dinge musikalisch anders um, weil wir es besser können. Und deswegen hatten wir bei der neuen Platte keine Lust mehr auf stumpfes Gitarren-Gemosche. Live wird es das aber geben. Bis zum Abwinken.

Ein Mädchen Amy spielt auf der neuen Platte eine Rolle. Welche?

Amy gibt es tatsächlich. Nach einem Konzert stand da mal ein schüchternes Mädchen im Hintergrund. Die Kleine ist mir aufgefallen, dass sie all ihren Mut zusammennehmen musste, um mich anzusprechen. Sie hat sich für unsere Musik bedankt und dass sie ihr Kraft, Mut und Selbstbewusstsein gibt. Während sie das sagte, habe mich als Spiegelbild in ihr gesehen, als ich 14 war. Und dachte ,Wow’ Sie war so mutig, das würden sich viele andere nicht trauen. Und so bin ich auf diese Erinnerungs-Schiene gekommen, wie das für mich damals war. Für mich war es auch eine harte Zeit, Teenager zu sein. Ich hatte diese ständigen Vergleiche mit anderen Mädchen im Kopf. Und ich wünsche allen, dass sie sich nicht vergleichen müssen, sondern mehr im Gleichgewicht ohne Schönheits-Wahn leben.

Schönes Stichwort: Wie gefährlich ist dabei Instagram für Mädchen?

Ich lasse mich auch durch einige Posts aus dem Gleichgewicht bringen. Die Realität findet aber nicht bei Instagram statt, sondern so, wie ich morgens aufstehe und mir Fehler passieren. Das ist die wirkliche Welt. Wenn man das für sich einordnen kann, dann fällt es leichter, sich nicht davon runterziehen zu lassen.

Silbermond live

Die Band aus Bautzen gründete sich 1998. Ihr bisher größten Hits sind „Symphonie“ und „Das Beste“ sowie „Irgendwas bleibt“. Ausgezeichnet wurden sie mehrmals mit 1Live Krone, Bravo Otto, Echo und Comet. Silbermond unterstützen Initiativen wie „Laut gegen Nazis“. Termine auf der „Schritte“-Tournee: 6. Februar in der Dortmunder Westfalenhalle (ab 39,50 Euro) und 19. Juni beim Biggesee Open Air Festival in Olpe (ab 54,25 Euro). Karten gibt es bei ruhrticket.de oder telefonisch unter 0201/8046060.

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