Das besondere Museum

Von Kutten-Kult und Männerschweiß: Schalke-Schau im Schacht

Goleo ist auch dabei! Ansonsten dominieren viele Trikots die Schacht-Schatz-Kammer auf Zeche Hugo, vor allem, aber nicht nur von Schalke 04. Wir haben das Museum  in Gelsenkirchen für unsere Serie besucht.

Goleo ist auch dabei! Ansonsten dominieren viele Trikots die Schacht-Schatz-Kammer auf Zeche Hugo, vor allem, aber nicht nur von Schalke 04. Wir haben das Museum in Gelsenkirchen für unsere Serie besucht.

Foto: Fabian Strauch

Gelsenkirchen.   Ein Museum für 1000 Trikots und noch mehr Raritäten aus der wunderbaren Welt des Fußball: Willkommen in der Schacht-Schatz-Kammer auf Zeche Hugo!

Sorry, liebes Deutsches Fußballmuseum aus Dortmund. Heute soll mal die etwas andere Ausstellung über die schönste Hauptsache der Welt im Blickpunkt stehen, in Gelsenkirchen. In die Schacht-Schatz-Kammer auf Zeche Hugo kommen zwar keine 200.000 Besucher im Jahr, dafür wird jeder einzelne mit „Tor! Tor! Tor!“ begrüßt, wenn das Licht angeht. Außerdem hat man ja früher eröffnet, nämlich 2012, als die Dortmunder – und erwähnt das auch gerne nur wenig beiläufig. 1:0 für Schalke!

Immerhin: Auch das Meisterdress des BVB hängt im Rahmen, große Geste – aber überwiegend sind die weit mehr als 1000 Trikots königsblauer Abstammung. Namen liest man da: Ebbe Sand, Gerald Asamoah, Olaf Thon natürlich.

Aber weil zu so einem Leibchen außer beim erschreckend lebensgroßen, im Maschinenraum auf dem Umformer thronenden WM 2006-Maskottchen Goleo auch eine Hose gehört (seine Blöße verdeckt ein Pokal von Kampfschwein Marc Wilmots), darum liegen in der Vitrine auch die Shorts von Ex-Kapitän Benedikt Höwedes. Getragen im siegreichen Finale der Weltmeisterschaft 2014, ungewaschen mit Grasflecken noch vom Maracanã-Stadion in Rio de Janeiro.

Gern mit dem Original-Schweiß, ist ja alles unter Glas. Wie die aufgeplatzten Treter von S04-Legende Marcelo Bordon. „Matchworn“ nennt der Sammler solche Gebrauchsspuren.

Der Sammler, der Gründer, der Erster-Alles von Schacht 2 heißt Klaus Herzmanatus (57). Ein Vierteljahrhundert hat er auf Hugo malocht, als Vierter und Letzter in der Generation seiner Familie – nach 2000 war der Betriebsratsvorsitzende mit der Abwicklung beschäftigt. Der Pütt ging nicht verschütt, er wird für Veranstaltungen gebucht und sein weithin sichtbarer Förderturm ragt mit dem Stolz der Vergangenheit in die strukturgewandelte Zukunft. Herzmanatus und seine Kumpels vom Trägerverein: selbstredend Super-Schalker.

Ehrenplatz im Herzen für Rudi Assauer

Trotzdem hängen hier auch Stoffe großer Gegner. Antoine Griezmann von Atlético Madrid, noch so ein originärer Arbeiterverein, oder Gareth Bale von Rivale Real. Auch ein Manuel Neuer wurde nach seinem Abgang zu den Bayern (Verrat!) nicht verstoßen. Es sind aber doch wieder die von der Ersatzbank des Ruhms, die Herzmanatus am, ähem, Herzen liegen.

Oder können Sie jetzt gerade mal spontan den Robert Wulnikowski wegpacken? Im Bueraner Bergwerk Lehre zum Industriemechaniker gemacht, bei den Amateuren das Tor gehütet und es mit Union Berlin immerhin ins Pokalfinale geschafft hat. Gegen den S04, richtig, das ist ja doch noch immer das Schöne an diesem Sport, diese großartigen Geschichten.

Nun aber zu den wahren Schätzen. Die Kopfstützen-Schonbezüge aus dem Mannschaftsbus, die Medizinbälle von Quälix Magath, die bei Schneegestöber abmontierten Stuhlreihen vom Parkstadion, eine kleine Glückauf-Kampfbahn aus gepresster Kohle. Alles da, alles klar.

Aber: Da liegen doch in der Tat Zigarren von Rudi Assauer, mit Widmung. Hätte der kürzlich verstorbene Über-Manager keinen eigenen Schrein verdient gehabt? Ach wat. „Der braucht das nicht. Der Rudi hat doch einen Ehrenplatz in unseren Herzen – was der alles für Schalke getan hat, aber auch hier für Hugo.“

Gute Zeiten, alte Zeiten. Die letzte Meisterschaft, wer würde sich nicht erinnern, datiert aus dem Jahr 1958. Einen Wimpel gibt es dazu, und Spielerpässe wie von Paul Matzkowski oder Bruno Kalinowski. Letzterer ist sogar auf dem Fan-Feld in Beckhausen-Sutum beigesetzt: ein Friedhof wie ein Spielfeld, mit Toren und Flutlicht. So wie es eben auch eine Knappen-Kapelle gibt. Nicht von ungefähr sagt man, Schalke sei wie eine eigene Religion. Blau und Weiß ein Leben lang bis in den Tod... Doch wir schweifen ziemlich ab.

Wobei, nochmal kurz schlucken, auch Robert Enke ist in dem Mini-Museum vertreten. Der Nationaltorhüter hatte kurz vor seinem Freitod die Handschuhe ins Revier geschickt. „Weil er es versprochen hat“, ist Herzmanatus noch heute gerührt.

Wie kriegen wir jetzt die Nordkurve? Mit Kutten. Kutten sind kult. „Kannste mal dran riechen“, lacht der Schnäuzer. Oder lesen: „Ne geile Alte oder mein Schalke?“ Die Antwort, haha, lassen wir hier mal offen.

DAS LIEBLINGS-AUSSTELLUNGSSTÜCK

Es ist, wenig verwunderlich hier auf Zeche: ein Helm. Aber natürlich nicht irgendeiner. „Der ist von der vorletzten Grubenfahrt mit den Spielern von Schalke 04“, erzählt Klaus Herzmanatus. Und glüht auf angesichts der Unterschriften eben dieser Spieler von Schalke 04 darauf. „Ich habe mich zwischen Raúl und Huntelaar umgezogen.“ Deren Spindschlüssel hängen sogar noch daran.

Und, wie waren sie so, die Profis hautnah? Herzmanatus: „Der Raúl fremdelte doch etwas. Ich hatte den Eindruck, dass er froh war, als es vorbei war – vielleicht auch wegen seiner Frisur... Der Huntelaar war dagegen aber cool wie immer – er hat sogar ‘ne Prise vom Schnupftabak genommen!“

Das war 2012, Trainer der Knappen damals wie heute wieder: Huub Stevens. Die Mission: Auf 1000 Meter Tiefe den Malochergeist der Millionäre zu beschwören. Danach ging’s noch einmal zusammen runter, auf Prosper Haniel, das war’s. Dabei, findet der Ex-Bergmann, „hätte das gerade der aktuellen Mannschaft gut getan ...“

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