Lebensgestaltung

Was kommt nach Corona? Gute Seiten der schlechten Zeiten

Wir lernen wieder, uns zu Hause richtig wohl zu fühlen.

Wir lernen wieder, uns zu Hause richtig wohl zu fühlen.

Foto: Svenja Hanusch / FUNKE Foto Services

Essen.  Angst vor Krankheit, Jobsorgen, Isolation: An der Corona-Krise kann man wenig schönreden. Dennoch gibt's positive Dinge, die gern bleiben können.

Keine Frage: Jeder ist froh, wenn die Corona-Zeit erstmal überstanden ist. Doch in der Krise haben sich – ohne über die schweren Verluste und Einschränkungen hinwegzusehen – einige Dinge durchaus zum Positiven entwickelt. Wenden wir also den Blick auf das, was wir für „Die Zeit danach“ gern beibehalten oder zumindest öfter wiederholen wollen.

1. Zu Hause ist es doch am schönsten: Selten haben sich die Menschen so darauf besonnen, dass es viel wert ist, es schön zu haben in den eigenen vier Wänden, dass ein entrümpeltes Zuhause einen Wert an sich darstellt – lange Schlangen vor den Recyclinghöfen zeugen davon. Selten haben wir uns so intensiv mit der eigenen Familie beschäftigt, statt wegen der vielen Ablenkungen und Verpflichtungen aneinander vorbei zu leben – auch das Miteinander im Zuhause hat einen neuen Stellenwert erhalten.

2. Das Homeoffice hat einige Vorteile: Aufstehen, Zähne putzen, duschen, frühstücken – und dann mit einem Kaffee auf die Couch setzen: Der Arbeitsbeginn kann doch so angenehm sein. Wer es sich derzeit im Homeoffice eingerichtet hat (und klar: Die meisten arbeiten am Schreibtisch) kann trotzdem meist bequeme Kleidung tragen, seine Pausen weitgehend nach Belieben machen und still und unbeobachtet für sich arbeiten (falls die Kinder nicht die Ruhe zunichte machen). Ein paar sollen die Wohlfühlatmosphäre ja so weit getrieben haben, dass sie sogar barfuß arbeiten oder den Laptop mit in den Garten nehmen. Und trotzdem haben sie ihren Job erledigt.

3. Freiere Straßen und bessere Luft: „Jeden Morgen Stau auf der A40 – was haben wir das vermisst…“ Nee, haben wir eigentlich nicht vermisst. Noch im Januar meldete der Regionalverband Ruhr (RVR) eine Pendlerzahl auf Rekordniveau, nämlich täglich 886.000 Erwerbstätige, die über die Stadtgrenzen hinaus zur Arbeit fahren. Vom Verkehr innerhalb der Städte ganz zu schweigen. Die durch Corona-Maßnahmen und Homeoffice vermiedenen Autofahrten sorgten zwischenzeitlich für fast freie Straßen und Autobahnen. Gerade registrieren die Umweltschützer gesunkene Stickoxid-Werte. Allerdings sind die Werte nicht exakt im gleichen Maße gesunken, in dem weniger Dieselfahrzeuge auf der Straße unterwegs waren – und klar, die Luft in den Städten ist jetzt sauberer, aber noch nicht rein. Die Debatte zwischen Umweltschützern und Lobbyisten geht deshalb in eine neue Runde.

4. Mehr Wertschätzung für medizinisches Personal, Pflegejobs, Supermarktangestellte, Kindergärtnerinnen, Post- und Paketboten: Viele schlecht bezahlte Jobs sind in diesen Zeiten wichtig – und ernten zumindest mehr Anerkennung als bisher. Was hoffentlich auch das Denken über ihre Bezahlung in den Chefetagen und der Politik ändern wird.

5. Neue Hobbys und alte Leidenschaften entdecken: Freie Zeit macht kreativ, so dass viele in den vergangenen Wochen entdeckt haben, dass sie gar nicht im Hamsterrad von Arbeit und Unterhaltungsindustrie gefangen sein müssen. Viele haben sich besonnen auf kreative Hobbys wie Malen, Musizieren, Basteln, Fotografieren, oder aber sie begeistern sich wieder fürs Gärtnern und Heimwerken, was sich günstig auswirkt auf Punkt 1.

6. Das Gefühl, trotz Isolation emotional nicht allein zu sein: Die Welle der Solidarität in der Bevölkerung war gerade in den ersten Wochen der Krise überwältigend, Balkonsingen, Klatschen fürs Krankenpersonal, Videoanrufe bei den Lieben oder alten Freunden, Gespräche über die Straße oder aus dem Fenster heraus. Auch die Teilnahme an Internet-Konzerten über soziale Medien, all dies vermittelt das Gefühl, dass soziale Gemeinschaften unabhängig von persönlichen Treffen funktionieren – so dass man sich weniger allein fühlt.

7. Mehr Bewusstsein für Umwelt und Natur: Die klassische Einstellung „Woanders ist auch scheiße“ kehrt sich ein bisschen um: Man versucht, die Natur vor der Haustüre besser zu erkunden, neue interessante Plätze um die Ecke zu entdecken. Und die Natur selbst erholt sich: der Specht, der auf einmal im Hinterhof wieder klopft, Begegnungen mit Wild im Wald statt im Tiergehege...

8. Dank weniger Terminen mehr Lebensqualität gewinnen: „Meine Definition von Glück: Keine Termine und leicht einen sitzen.“ Was Harald Juhnke gesagt hat, stimmt ja nur bedingt, denn Alkohol gehört ja nicht einfach so dazu, aber keine Termine zu haben und dazu ein Gefühl von Entspannung, das kann zur Reduzierung des Stresslevels führen – ebenso die Möglichkeit, Pausen zu den Zeiten zu machen, in denen man sie wirklich braucht, zum Beispiel ein Mittagsschläfchen.

9. Die Einsicht, dass Bewegung wichtig ist, Schaulaufen nicht: Gerade zu Beginn des Lockdowns spürten viele, dass ihnen die alltägliche Bewegung fehlt, eben jene paar tausend Schritte, die man auf dem Weg zur Arbeit, bei täglichen Erledigungen draußen usw. nebenbei macht. Und viele haben daraufhin bewusst daran gearbeitet, sich regelmäßig sportlich zu betätigen, meist zu Hause, ohne dass wie im Fitnessstudio Menschen zuschauen.

10. Besinnung auf die wichtigen Dinge im Leben: Manches vermisst man erst, wenn man es nicht mehr haben kann, Zeit mit Freunden, Gottesdienstbesuche. Oder man schätzt Dinge wie die eigene Gesundheit wieder mehr – und einen Haarschnitt.

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