Hambacher Forst

Wie Kohlegegner und Fledermäuse die Braunkohle ausbremsen

Protestler am Hambacher Forst.

Protestler am Hambacher Forst.

Foto: Vladimir Wegener

Im Herbst spitzt sich der Konflikt um den Hambacher Forst zu – ein Blogger kommt ums Leben und letztlich wird die Rodung überraschend gestoppt.

Jede Bewegung braucht Symbole. Und im Herbst 2018 war es ein wenige Hundert Meter großes Waldgebiet westlich von Köln, das sich zum Symbol des Widerstandes gegen den Braunkohleabbau auswuchs: der Hambacher Forst am Rande des Rheinischen Kohlereviers.

Der Konflikt um diesen Wald schwelt seit Jahren. Seit 1978 wird Braunkohle im Rheinischen Revier abgebaut. Dazu sind ganze Ortschaften umgesiedelt und erste Teile des Forstes gerodet worden. 2016 bestätigte die damalige rot-grüne Landesregierung per Leitentscheidung den Kohleabbau zwar erneut. Tagebau-Gegner hielten den übrig gebliebenen Wald trotzdem weiter besetzt, um zu verhindern, dass der Essener Energiekonzern RWE auch ihn für den Braunkohleabbau rodet. RWE hatte das als notwendig bezeichnet, um die Energieversorgung sicherzustellen.

Tausende Polizisten im Wald

Umweltverbände appellierten an Ministerpräsident Armin Laschet (CDU). Er möge ein Rodungs-Moratorium aussprechen, bis die neu eingesetzte Kohlekommission ein Konzept zum Braunkohle-Ausstieg vorgelegt hat. Laschet lehnte ab.

Der Konflikt eskalierte im September, als die Landesregierung Tausende Polizisten in den Wald schickte. Sie sollten die über 80 Baumhäuser der im Forst lebenden Aktivisten räumen. Die Begründung mutete kurios an: Die Häuser würden dem Brandschutz widersprechen, deshalb sei Gefahr im Verzug. Mit Klettertrupps rückte die Polizei vor. Nicht immer ging es friedlich zu. Bei Filmaufnahmen stürzte am 19. September ein Blogger in den Tod.

Rodungsstopp im Eilverfahren

Dass der Forst letztlich eine Schonfrist erhielt, hat vor allem mit einem kleinen Tier zu tun, das eigentlich lieber seine Ruhe hat, es ist die Bechsteinfledermaus. Der Umweltverband BUND sah in dem Vorkommen des Nachtschwärmers einen Grund, den Forst unter Schutz zu stellen und klagte. Mit Erfolg: Am 5. Oktober erwirkte das Oberverwaltungsgericht Münster im Eilverfahren einen Rodungsstopp. Einen Tag später feierten rund 40.000 Menschen am Forst bei der wohl größten Anti-Kohle-Demonstration Deutschlands. RWE entsteht ein Millionenschaden.

Eine endgültige Entscheidung über den Forst könnte in zwei Jahren feststehen. Schon Anfang 2019 soll die Kohlekommission aber ihren Plan zum Kohleausstieg vorlegen.

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