Das besondere Museum

Wo das Haus Kemnade sich von seinen besten Saiten zeigt

Kunst und guter Klang gehen miteinander einher: Saiteninstrument mit Ornamenten in Haus Kemnade.

Kunst und guter Klang gehen miteinander einher: Saiteninstrument mit Ornamenten in Haus Kemnade.

Foto: MATTHIAS GRABEN

Hattingen.  Ein Blick auf die historischen Musikinstrumente des Sammlerpaares Grumbt - und ein Seitenblick auf die ostasiatischen Glücksgötter.

Manchmal reicht es schon, nur die Namen der Instrumente zum Klingen zu bringen: Giraffenflügel, Knickhalslaute, Wöllbrettzither, Taschengeige, Bogenharfe, Scheitholt, Muschelhorn, Clavichord und Oboe d’amore...

Wem jetzt noch nicht der Kopf vor Noten und Tönen schwirrt, der hat vermutlich die Ohren nicht am rechten Fleck. Und die anderen dürften zumindest ein bisschen ins Schwärmen geraten ob dieses Füllhorns seltener Instrumente – und das waren jetzt nur die mit den hübschen Namen. Was das Haus Kemnade in seiner Instrumentensammlung beherbergt, geht weit darüber hinaus: Es geht hier um die Geschichte des Instrumentespielens. Das Musikerpaar Hans (1898-1989) und Hede (1896-1995) Grumbt sammelten „alles, was klingt. Es kam darauf an, die Instrumente der Zeit zu zeigen“, sagt Christoph Schlierkamp vom Kulturbüro Bochum, denn das Herrenhaus auf Hattinger Stadtgebiet gehört wie die Instrumentensammlung der Stadt Bochum.

Instrumentenbau zwischen Wissenschaft und Kunst

Die Bedürfnisse der Musizierenden und die Veränderungen der Musik im Laufe der Jahrhunderte machten immer wieder Veränderungen der Bauweise notwendig. Instrumentenbau ist halt nicht nur eine Wissenschaft für sich, es ist auch eine echte Kunst gewürzt mit einer sanften Note von Magie – unter dem Dirigat vieler praktischer Anforderungen. So berichtet man tatsächlich, dass Mozart nicht immer mit einem herkömmlichen Klavierflügel gereist ist, sondern auf einen leichter zu transportierenden, platzsparenden, nach oben gestreckten Giraffenflügel reiste, ein Hochbauklavier für unterwegs.

Noch so ein Fall: Die Knickhalslaute, die mit ihren vielen Saiten viel Druck auf den Hals ausübt, so dass der Knick notwendig wurde. „Wenn man sie mit einem geraden Hals gebaut hätte, wäre der gebrochen“, erläutert Schlierkamp beim Gang durch die Zimmer.

Eine eigene Spardosen-Sammlung

Man erfährt ein wenig über die frühe musikalische Globalisierung etwa am Beispiel des Bandoneons, das von Krefeld aus seinen Siegeszug als Tangoinstrument in Argentinien antrat.

Kemnade ist voll von solchen Geschichten. Und beinahe könnte man darüber vergessen, dass es dort das Bauernhaus-Museum, das Bienenmuseum, die Spardosen-Sammlung und die kleine, aber sehr sehenswerte ostasiatische Sammlung gibt. Sie wurde einst vom Stadtamtmann Kurt Ehrich angelegt, der sich vor allem für japanische Glücksgötter begeistern konnte. „Der Japaner sucht sich einen Gott aus, der ihn durch sein Leben begleitet“, erklärt Melanie Richter vom Förderverein Haus Kemnade, der sich um den Erhalt des Hauses und die Führungen kümmert. Diese sieben Götter sind ins Herrenhaus eingezogen in Form prächtiger Figuren, jede mit eigenem Herrschaftsbereich. Darunter Daikoku als Patron der Landwirtschaft, des Wohlstands und des Hochwasserschutzes; Ebisu als Aufseher über Fischerei und Handel; Benten als Schützerin der Musik, der hohen Künste und der Weiblichkeit – kein Wunder, sie ist die einzige Frau im Götterbunde.

Ein Kimono hat keine Taschen

Auch Masken gibt’s und Netsuke-Gürtelknebel, die den Inro genannten Behälter am Kimonogürtel befestigten – Alltagsgegenstände, weil Kimonos keine Taschen haben.

Um den Bogen zu schlagen zwischen den Sammlungen gibt es auch ein paar ostasiatische Musikinstrumente zu begutachten. Denn wenn die Ausstellungen im Haus Kemnade eines sind, dann in ihrer Vielstimmigkeit hübsch stimmig.

>>>Das liebste Ausstellungsstück: eine Spieluhr im Vogelkäfig

„Ich mag diese Spieluhr einfach gerne“, sagt Christoph Schlierkamp vom Kulturbüro Bochum. Der Vogelautomat aus der Manufaktur Griesbaum von Anfang des 20. Jahrhunderts sorgt bis heute dafür, dass die beiden Vöglein im Inneren des Käfigs zu zwitschern beginnen, wenn man ihn aufzieht. Schlierkamp hält das filigrane Stück vorsichtig und mit weißen Handschuhen in die Höhe. „Es ist ein reiner Luxusartikel, aber er war es den Leuten auch wert.“

Die Spieluhr steht in einem der Winkel in Haus Kemnade, in dem man mehrere mechanische Geräte zur Schallreproduktion ausstellt. Neben einem Grammophon, das sehr an einen normalen Schallplattenspieler erinnert, findet sich dort auch ein sogenanntes Polyphon, auf dem austauschbare Scheiben kreisen. Auf der Unterseite reißen kleine Metallzungen unterschiedlich hoch klingende Stäbe an – es gab ja noch keine endlos verfügbare Musik aus dem Mobiltelefon.

Haus Kemnade, An der Kemnade 10, Hattingen. Musikinstrumentensammlung Grumbt, November bis April: Di-So 12-18, Mai-Okt.: 11-17 Uhr, Führungen jeden 1. Sonntag im Monat, 12 Uhr - und nach Vereinbarung Tel. 02324/30268. Eintritt frei. Förderverein Haus Kemnade hier.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben