Hausbau

Deutsche Behörden erlassen immer mehr Bauvorschriften

Rote Dachziegel waren in dieser Siedlung offenbar vorgegeben.

Rote Dachziegel waren in dieser Siedlung offenbar vorgegeben.

Foto: Peter Kneffel / picture alliance / Peter Kneffel

Berlin/Bonn  Die Zahl der Gestaltungssatzungen steigt. Einige Gemeinden geben in den Vorgaben bis ins Detail vieles vor – bis hin zur Zaunhöhe.

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Bauherren haben es nicht einfach. Sie träumen sich ihr Traumhaus zurecht, malen sich aus, wie es aussehen soll – und dann sagt die Gemeinde: Nein! In der Tat gibt es in vielen Städten und Gemeinden strenge Regelungen, wie ein Wohnhaus auszusehen hat. In den vergangenen Jahren sind sogar tendenziell mehr Gestaltungssatzungen entstanden, wie Experten betonen. Regeln lässt sich darüber vieles, beispielsweise auch die Art des Putzes.

Und das ist nicht die einzige Regelung – vielmehr erwartet Bauherren unter Umständen an ihrem künftigen Wohnort ein ganzes Geflecht aus Regelungen. „An oberster Stelle, auf Bundesebene, steht das Baugesetzbuch“, sagt Eva Reinhold-Postina vom Verband Privater Bauherren in Berlin. „Es regelt detailliert, wie ein Bebauungsplan von den Kommunen zu erstellen ist und was dieser zu leisten hat.“ Dazu gehört die Sicherung der Daseinsvorsorge, sprich, dass es in der Umgebung ausreichend Einkaufsmöglichkeiten, Schulen und Ärzte gibt.

Verbindliche Vorgaben zur Geschosszahl und Firsthöhe

Jedes Bundesland kann wiederum Details in den Landesbauordnungen festschreiben. „Darin können etwa Abstandsflächen angeordnet oder Vorgaben zum Brandschutz gemacht werden“, sagt Eva Reinhold-Postina. Der eigentliche Bebauungsplan obliegt den Kommunen. Hier geht es schon um die handfesten Details wie etwa maximale Geschosszahl und Firsthöhe.

Gibt es keinen Bebauungsplan, dann gilt der Paragraf 34 des Baugesetzbuches. Dieser sieht vor, dass sich der Neubau an die Umgebung anzupassen hat. Grundsätzlich hat Manfred Jost vom Verband Wohneigentum in Bonn den Eindruck, dass viele Gemeinden inzwischen lieber strenger planen, um ihr altes Ortsbild zu erhalten. „So kommt es, dass Kommunen über Bebauungspläne hinaus Regelungen treffen, wie etwa eine Baumschutzsatzung“, sagt Jost. Darin stehe, ob ein Baum auf einem bestimmten Grundstück gefällt werden darf und welche Ersatzpflanzungen vorgesehen sind.

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Behörden wollen optisches Chaos vermeiden

Immer häufiger werden auch Gestaltungssatzungen aufgesetzt, in der recht kleinteilige Anforderungen an die äußere Gestaltung formuliert werden. „Darin kann etwa die Farbe der Dachziegeln bestimmt werden oder die Grundstückseinfriedung. Sogar die Verwendung bestimmter Materialien kann auferlegt werden“, erklärt Jost. Das gelte auch für die Höhe von Mauern, Zäunen und Hecken oder die Fassadenfarbe.

Nach seiner Einschätzung eine Reaktion der Kommunen auf die zunehmende Kreativität der Bauherren und die Angebote der Baubranche: „Die Möglichkeiten der individuellen Haus- und Grundstücksgestaltung sind heute viel größer als noch vor zehn Jahren“, sagt Jost. Einige Kommunen störten sich an dem daraus resultierenden optischen Chaos in den Wohnsiedlungen und reagierten mit Vorschriften.

Uniformität durch flexible Bebauungspläne verhindern

Trotzdem gibt es Schlupflöcher, wie Peter Burk vom Institut Bauen und Wohnen betont. „Es wird zwar exakt vorgeschrieben, wie der Dachwinkel zu sein hat, trotzdem steht dann ein Friesenhaus neben einem oberbayerischen Landhaus.“ Sein Wunsch: Kommunen sollten Bebauungspläne flexibilisieren. „Dann würde auch vermieden werden, dass manchmal exakt auf vorgegebenen Baulinien gebaut werde, was zur Folge hat, dass Häuser wie Soldaten in Reih und Glied stehen.“

Auch auf Vorgaben zur Dachausrichtung könnte man verzichten oder diese zumindest lockern: „Natürlich muss der Brandschutz gewahrt werden, genauso Besonnung und Belichtung, aber Abstandsflächen bis auf den Zentimeter genau vorzuschreiben, macht keinen Sinn“, sagt Burk. Auch Gebäudehöhen und -ausrichtungen könnten problemlos unterschiedlich ausfallen, wenn die Gebäude stärker über ihre Bauweisen und -materialien definiert würden.

Burk verweist in diesem Zusammenhang auf Gestaltungssatzungen: „Architektonische Harmonie erreicht man durch eine ähnliche Materialsprache, nicht durch juristische Maßvorgaben.“ Am besten sei es, Bauherren Beispiele an die Hand zu geben, die zeigen, welche Fensterformen oder welche Fassadenmaterialien für die Region typisch seien. Jost wünscht sich, dass über Bürgerversammlungen künftig mehr Mitsprache erlaubt werde.

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